{"id":2201,"date":"2017-03-28T23:20:57","date_gmt":"2017-03-28T21:20:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/?page_id=2201"},"modified":"2018-07-21T08:17:06","modified_gmt":"2018-07-21T06:17:06","slug":"500-jahre-brandschatzung-und-pluenderung-in-untermarchtal","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/index.php\/500-jahre-brandschatzung-und-pluenderung-in-untermarchtal\/","title":{"rendered":"500 Jahre Brandschatzung und Pl\u00fcnderung in Untermarchtal"},"content":{"rendered":"<h3>Vor 500 Jahren Brandschatzung und Pl\u00fcnderung der D\u00f6rfer Untermarchtal und Zwiefaltendorf durch Herzog Ulrich von W\u00fcrttemberg<\/h3>\r\n<p>An dieses einschneidende Ereignis der beiden D\u00f6rfer im Jahre 1517 \u2013 genau am Freitag 3. April vor dem Palmtag \u2013 wie es beschrieben ist, mu\u00dfte Untermarchtal und Zwiefaltendorf, beide Orte im Besitz der Grundherrschaft der Freiherren von Speth, die brutale Gewalt durch Brandschatzung und Pl\u00fcnderung hinnehmen. Herzog Ulrich von W\u00fcrttemberg (1487 \u2013 1550), in Reichenweier\/Elsa\u00df geboren, war ein eigenwilliger, hei\u00dfbl\u00fctiger F\u00fcrst der vor keiner Gewalttat zur\u00fcckschreckte. Um den Charakter des Herzogs zu verstehen, mu\u00df der Chronist in die unheilvolle Kindheit des Herzogs blicken und somit seine Wesensart zu ergr\u00fcnden. Seine Mutter starb bei der Geburt von Ulrich. Sein Vater Graf Heinrich von W\u00fcrttemberg, der geistig gest\u00f6rt war, wurde 1490 \u2013 Ulrich war gerade 3 Jahre alt \u2013 auf dem Hohenurach festgesetzt. Ulrichs Gro\u00dfvater, Graf Eberhard im Bart und seit 1495 von Kaiser Maximilian zum Herzog erhoben, nahm den 9- j\u00e4hrigen Ulrich zu sich. Dichter Julius Kerner bezeichnete im 19. Jahrhundert nach \u201cMelanchthons Erz\u00e4hlungen\u201c und der Auffassung seines Volkes, Graf Eberhard im Bart den \u201ereichsten F\u00fcrsten\u201c und schrieb in einem Lied \u201eVom preisend mit viel sch\u00f6nen Reden\u201c. Doch Eberhard im Bart starb schon 1496 \u2013 ein weiterer Schicksalsschlag f\u00fcr Ulrich. Vormund wurde sein Onkel Eberhard II. Doch Kaiser Maximilian setzte in Verbindung mit der St\u00e4ndegemeinschaft, Herzog Eberhard II im Jahre 1498 ab.<p\/>\r\n<div id=\"attachment_2203\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2203\" class=\"wp-image-2203 size-full\" src=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/500_Jahre_Brandschatzung_2.jpg\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"760\" \/><p id=\"caption-attachment-2203\" class=\"wp-caption-text\">Herzog Urich von W\u00fcrttemberg (1487 \u2013 1550)<\/p><\/div>\r\n<p>1503, wurde Ulrich, nun 16-j\u00e4hrig, vom Kaiser f\u00fcr vollj\u00e4hrig erkl\u00e4rt und mit seiner Nichte, Sabina von Bayern verlobt. Jetzt konnte Ulrich selbstst\u00e4ndig die Regierung des Herzogtum W\u00fcrttemberg, aus\u00fcben. Seine diversen Vormunde litten selbst unter den mi\u00dflichen, famili\u00e4ren und politischen Konstellationen. Ulrichs Ausbildung wurde dabei vernachl\u00e4ssigt. H\u00f6fische Prachtentfaltung, adlige Standeskultur wie zum Beisspiel das Jagdwesen, waren dem Herzog ausgepr\u00e4gt und machten den Stuttgarter Hof zu einem der gl\u00e4nzesten im Reich. Doch humanistische Bildungsinhalte oder Kenntnisse im Lateinischen wurden Ulrich nie vermittelt. R\u00fccksichtsloser Eigensinn, gepaart mit tiefem Mi\u00dftrauen gegen\u00fcber Personen seiner Umgebung, belastet und geschuldet seiner Jugend, die Regierungszeit des Herzogs. Die auferzwungene, prachtvolle Hochzeit 1511 mit Sabina von Bayern, gestalteten die beiden in der Ehe mit unvereinbarem Charakter. 2 Kinder hatten die beiden; 1513 Tochter Anna und 1515 Sohn Christoph den sp\u00e4teren Herzog ab 1550 bis 1568.\r\nMit harter Hand und unter Vermittlung und Einflu\u00df desT\u00fcbinger Vogts Konrad Breuning wurde der Bauernkrieg des \u201eArmen Konrad\u201c brutal und unter Ulrichs Zugest\u00e4ndnissen im Bauernkrieg durch den T\u00fcbinger Vertrag von 1514 zun\u00e4chst befriedet.<p\/>\r\n<div id=\"attachment_2204\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2204\" class=\"wp-image-2204 size-full\" src=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/500_Jahre_Brandschatzung_3.jpg\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"760\" \/><p id=\"caption-attachment-2204\" class=\"wp-caption-text\">Foto zeigt Herzogin Sabina von W\u00fcrttemberg (Bayern) (1492 \u2013 1564)<\/p><\/div>\r\n<p>Mord an Hans von Hutten, Sabinas Flucht durch das Herzogtum\r\nDer T\u00fcbinger Vertrag, zu dem sich Ulrich nur ungern bequemte, brachte dem Land keinen Frieden. Der eigenwillige und hei\u00dfbl\u00fctige Ulrich schritt von Gewalttat zu Gewalttat. Im Mai 1515 erstach Ulrich auf der Jagd im Sch\u00f6nbuch seinen Stallmeister Hans von Hutten, zu dessen Gattin eine heftige Leidenschaft erfa\u00dft hatte. Die unselige Tat veranla\u00dfte den Humanisten und Dichter Ulrich von Hutten, einen Verwandten des Ermorderten, den Herzog in erbitterten Flugschriften zu brandmarken. Die Gebr\u00fcder Breuning und den Cannstatter Vogt Vaut, die den Dichter Ulrich von Hutten unterst\u00fctzten, lie\u00df er wegen angeblichem Landesverrat hinrichten. Auch gegen die kaiserliche Acht von 1516 bis 1518 konnte sich Ulrich behaupten. 1515 -nach der Mordtat Ulrichs- verlie\u00df seine Gattin Herzogin Sabina den Hof in Stuttgart und fand Unterschlupf beim Uracher Obervogt Dietrich von Speth. Diesem geh\u00f6rten die Orte Untermarchtal, Zwiefaltendorf, Hettingen und Gammertingen. Untermarchtal und Zwiefaltendorf waren nur kurz Aufenthaltsorte der Herzogin Sabina auf der Flucht vor Ulrich. Ulrichs Zorn stieg unermesslich an, als er die beiden Fluchtorte jedesmal verlassen von seiner Gattin, antraf. Seine furchtbare Rache m\u00fcndete in die \u201eschw\u00e4rzesten Tage der Orte\u201c. Er pl\u00fcnderte und z\u00fcndete alle H\u00e4user der beiden Orte an samt Schloss und der \u201eDorfkirche auf dem Berg\u201c in Untermarchtal. Beim kaiserlichen Rat Renner in der vorder\u00f6sterreichischen Stadt Ehingen fanden die fl\u00fcchtige Herzogin Sabina und ihre Begleiter Schutz. Ehinger war ein Ort jenseits der Landesgrenze und da griff Ulrich nicht ein. Den nahen Weiler G\u00fctelhofen und Klosterort von Marchtal, konnte dessen Abt Johann Haberkalt durch seine Vermittlung retten. Er wird als Redegewandt und als \u201emunteres Naturrell\u201c beschrieben. Aber dort in der Klostergeschichte hei\u00dft es auch: Im n\u00e4mlichen Jahr 1517 fing Luther an, als unberufener Reformator aufzustehen.<p\/>\r\n<div id=\"attachment_2202\" style=\"width: 770px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2202\" class=\"wp-image-2202 size-full\" src=\"hhttps:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/500_Jahre_Brandschatzung_1.jpg\" alt=\"\" width=\"760\" height=\"570\" \/><p id=\"caption-attachment-2202\" class=\"wp-caption-text\">Ehemalige Burg Untermarchtal mitsamt der \u201eDorfkirche auf dem Berg\u201c als Rekunstruktion von K.A. Koch, Ulm aus dem Jahre 1935, diese Geb\u00e4ude wurden 1517 durch Herzog Ulrich v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Ein neues Schlo\u00df unterhalb wurde von Freiherr Johann Ulrich von Speth wieder und seiner Gattin Ursula von Uttenheim 1573 bis 1576 neu erstellt und ist heute die Zierde des Dorfes Untermarchtal. Im Jahre 1613 wurde die Dorfkirche St. Andreas wieder an selbiger Stelle wie sie heute besteht, von der Linie von Speth, Untermarchtal, gebaut.<\/p><\/div>\r\n<p>Schlie\u00dflich wurde Ulrich wegen Landesfriedensbruch unter F\u00fchrung der Bayernherzog, dem Schw\u00e4bischen Bund und Schweizer S\u00f6ldner auf der Feste Hohent\u00fcbingen festgesetzt. Dabei fiel sein Sohn Christoph in die H\u00e4nde seiner Feinde. Von 1519 an wurde Ulrich \u00fcber die Bergfeste Hohentwiel und dem w\u00fcrttembergischen Besitz M\u00f6mpelgard im franz\u00f6sischem Burgund nahe der Stadt Belfort, bis 1526 festgehalten. Ulrichs Versuche zur R\u00fcckeroberung scheiterten mehrmals. Seine Hinwendung zur Reformation mit Hilfe der Prediger Guillaume Farels nach M\u00f6mpelgard und der Freundschaft zu Landgraf Philipp von Hessen, der sich in der Verbannungszeit Ulrichs von 1526 bis 1534 als sein Unterst\u00fctzer erwies. 1534 bis zu seinem Ende der Regierungszeit 1550 war Ulrich wieder im Herzogtum W\u00fcrttemberg und setzte mit den Reformatoren Blarer, Schnepf und Brenz in seinem w\u00fcrttembergischen Besitztum die neue, lutherische Orientierung durch. Dabei war er bekannt durch seine R\u00fccksichtslosigkeit als Landesherrlicher im Kirchenregiment. Nach dem Tod Ulrichs wurde 1550 sein Sohn Christoph Herzog von W\u00fcrttemberg. Obwohl auch er eine von famili\u00e4ren Auseinandersetzungen \u00fcberschattete Kindheit und Jugend hatte, wurde er von hochgebildeten Erziehern in der Staatskunst ausgebildet. 1541 s\u00f6hnte er sich mit seinem Vater Ulrich aus, seine administrative Zusammenarbeit mit dern St\u00e4nden war wegweisend und er zog mit seiner Gattin Anna-Maria von Brandenburg-Ansbach 12 Kinder auf.<p\/>\r\n<div id=\"attachment_2205\" style=\"width: 770px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2205\" class=\"wp-image-2205 size-full\" src=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/500_Jahre_Brandschatzung_4.jpg\" alt=\"\" width=\"760\" height=\"570\" \/><p id=\"caption-attachment-2205\" class=\"wp-caption-text\">Luftaufnahme Untermarchtals vom Jahre 2003<\/p><\/div>\r\n<p>Quellenangabe und Literatur:\u201c Das Haus W\u00fcrttemberg \u201e (Kohlhammer-Verlag 1997). \u201eW\u00fcrttembergische Geschichte\u201c von K. u. A. Weller. (Konrad Theiss-Verlage 1989), Schw\u00e4bische Zeitung vom 11. August 1989.<p\/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 500 Jahren Brandschatzung und Pl\u00fcnderung der D\u00f6rfer Untermarchtal und Zwiefaltendorf durch Herzog Ulrich von W\u00fcrttemberg An dieses einschneidende Ereignis der beiden D\u00f6rfer im Jahre 1517 \u2013 genau am Freitag 3. 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