{"id":4368,"date":"2023-01-31T20:36:34","date_gmt":"2023-01-31T19:36:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/?page_id=4368"},"modified":"2023-01-31T20:44:43","modified_gmt":"2023-01-31T19:44:43","slug":"ehemals-geplanter-lautertal-bahnbau-vor-135-jahrenstrecke-von-munderkingen-bis-marbach-in-schmalspur","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/index.php\/ehemals-geplanter-lautertal-bahnbau-vor-135-jahrenstrecke-von-munderkingen-bis-marbach-in-schmalspur\/","title":{"rendered":"Ehemals geplanter Lautertal-Bahnbau vor 135 Jahren."},"content":{"rendered":"<h1 class=\"wp-block wp-block-post-title block-editor-block-list__block editor-post-title editor-post-title__input rich-text\" role=\"textbox\" contenteditable=\"true\" aria-label=\"Titel hier eingeben\" aria-multiline=\"true\">Strecke von Munderkingen bis Marbach in Schmalspur<\/h1>\n<p>Munderkingen\/Untermarchtal (hi) Ab der Mitte bis Ende des 19. Jahrhundert war der Bau von Eisenbahnen im K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg ein vorrangiges Thema. Hier in der Region Ehingen war dies schon 1870 mit der Donautalbahn eine vollendet gebaute Tatsache. Aufmerksamkeit hat das Thema Eisenbahnbau in den letzten Jahren beim Bau mehrerer Neubaustrecken (NBS) in Deutschland geweckt.<\/p>\n\n\n<p>Von Ulm bis Wendlingen (Stuttgart) mit rund 100 Km L\u00e4nge Inbetriebnahme war vor einigen Wochen gro\u00dfes Thema. Blickt man aber rund 150 Jahre zur\u00fcck, war der Traum von einer Bahnverbindung fast f\u00fcr alle Orte des Landes ein Wunsch.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Denkschrift mit Bauplanung<\/h3>\n\n\n\n<p>Hierbei fielen in letzter Zeit der Bericht in der SZ mit dem Titel \u201eFeldstetten sollte einst einen eigenen Bahnhof bekommen\u201c. Streckenverl\u00e4ngerung ausgehend ab Laichingen m\u00f6glichst bis Zainingen oder M\u00fcnsingen wegen Bedienung des seit 1894 in Betrieb genommenen Truppen\u00fcbungsplatz vom K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab Mitte der 1880-iger Jahre regte sich auch ein dringender Wunsch der Stadt Munderkingen und Umgebung f\u00fcr einen Eisenbahnbau ab Munderkingen durch das Lautertal bis Marbach. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Eisenbahnbau lagen bei der gewerblichen, landwirtschaftlichen und kommenden Industrialisierung dieser Landschaft. Doch Tourismus war damals noch ein winziges Thema. Jetzt im 21. Jahrhundert w\u00e4re eine Lautertalbahn eine sehr beachtete, wenn auch vielleicht nur ein Museums- oder Touristenb\u00e4hnle im bekanntlich \u201esch\u00f6nsten Flu\u00dftal Deutschlands\u201c! (siehe unten) Welch eine Vorstellung mit Hintergrund! Zur\u00fcck zu damals. Diese Bahn h\u00e4tte eine L\u00e4nge von 34 Km und w\u00e4re mit Schmalspur 750 mm auszustatten. Mit einer bemerkenswerten Denkschrift wurde von der Stadt Munderkingen und deren Eisenbahnkomitee ein wirtschaftliches und bautechnisches Gutachten in Auftrag gegeben. Der damalige sehr bekannte \u00d6konom Regierungsbaumeister Wallersteiner aus Stuttgart wurde damit beauftragt.&nbsp; Staatsminister des Innern, Karl Josef von Schmid, vormals Munderkingens B\u00fcrgermeister, unterst\u00fctzte indes die forschen Unternehmungen seiner Munderkinger Landsleute.<br>Der 3 Km lange Streckenteil von der Lauterm\u00fcndung- Untermarchtal bis Munderkingen sollte eine dritte Schiene f\u00fcr die eingebaute Schmalspur bekommen. Ein Novum, aber dies gibt es heute noch in Deutschland.<br>Doch auch eine gewisse Konkurrenz gab es f\u00fcr diesen \u201eLauterthal-Eisenbahnbau\u201c. Die Stadt Hayingen im Verbund mit dem Klosterort Zwiefalten hegten den Wunsch f\u00fcr einen Eisenbahn-Anschluss. Von Zwiefaltendorf aus \u00fcber Zwiefalten, Hayingen zum Lautertal und weiter, waren deren Bau\u00fcberlegungen. Beide Seiten bek\u00e4mpften sich mit Gegendarstellungen, besseren Berechnungen, Statistiken \u00fcber Einwohner, Gewerbe (M\u00fchlen, Brauereien, Webereien (Haderlumpen), Ziegeleien) M\u00e4rkte, Tierhaltung, Getreideaufkommen, Rohstoffbearbeitung wie Kalk, Zement, Holz, Wasser sowie die m\u00f6glichen Trassenf\u00fchrungen. Mit ihren regelm\u00e4\u00dfigen Kr\u00e4mer- und Viehm\u00e4rkten sowie der gro\u00dfen Schranne deren Fruchtverwertung und Handel, eine der 11. Gr\u00f6\u00dften in W\u00fcrttemberg war, punktete die Stadt Munderkingen herausragend. Es gab regelrechte Eisenbahn-Interessenversammlungen in Hayingen, Munderkingen und M\u00fcnsingen mit adliger, kommunaler und geistlicher Versammlungsleitung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon angedeutet stand die Planung auch im Wettbewerb mit weiteren Eisenbahn-Bauprojekten mit deren Streckenf\u00fchrungen. Die Stadt M\u00fcnsingen mit deren Milit\u00e4rverkehr, Bahnbau-Projekte wie M\u00fcnsingen, Laichingen, Amstetten oder auch das naheliegende Projekt einer Bahn nach Laupheim, nach Biberach \u00fcber Uttenweiler mit einem Anschluss an das eigene Lautertalprojekt. \u00dcbrigens; eine Bahn von Biberach nach Uttenweiler wurde sogar nach dem I. Weltkrieg in Teilen gebaut aber Mitte der 1920-Jahre aufgegeben. Aufgrund diesem schon angefangenen Bau auch im Ort Attenweiler gibt es noch heute eine Bahnhofstra\u00dfe! Auf dem Alb war noch baulich hinderlich die \u201eHonauer Steige\u201c. Jedoch diese schwierige Passage wurde nach der Jahrhundertwende mit der Ausr\u00fcstung dieser Strecke mit Zahnrad-Betrieb technisch meisterlich genommen. Allerdings Mitte der 1960-iger Jahre abgebaut. Weiter in einer Planung lagen damals -wie \u00fcbrigens auch heute im Jahre 2023 noch- der Plan einer Bahn von Ehingen aus nach Erbach. Wird dieses zum \u201eSt. Nimmerleinstag Projekt\u201c ?<br>Baukosten, Steuerkraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zust\u00e4ndige Ministerium des \u00c4u\u00dferen in Stuttgart und die damit zusammenh\u00e4ngende \u201eZweite St\u00e4nde-Kammer\u201c das Finanzministerium dort, pr\u00fcften die sehr umfangreichen und detaillierten Eingaben und Petitionen auch im Hinblick auf die wichtige Steuerkraft der Regionen.<br>F\u00fcr Humor sorgen ein paar knackige und Nachdenkens Werte Spr\u00fcche in der Denkschrift wie zum Beispiel: \u201cPfeift einmal die Lokomotive durch das Lautertal, was sp\u00e4testens in das 20.igste Jahrhundert sollte der Fall sein k\u00f6nnen, d\u00fcrften l\u00e4ngs der Lauter neue gesch\u00e4ftliche Unternehmungen wie die Pilze aus dem Boden schie\u00dfen. Das wildromantische Lauterthal mit seinen Ritterburgen aus alter Zeit, mit seinen mannigfachen Natursch\u00f6nheiten w\u00fcrde auch ein gr\u00f6\u00dferer Anziehungspunkt f\u00fcr die Touristenwelt werden\u201c. Was f\u00fcr eine Voraussehung! Siehe oben). Oder der etwas sonderbare gewagte Spruch f\u00fcr die Neue Welt: \u201eDie Eisenbahnen sind der gro\u00dfartigste Sieg des modernen Geistes f\u00fcr Technik, materiellen Wohlseins und menschlicher Vervollkommnung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bautechnische Fragen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die technische Beschreibung oder Aufwand f\u00fcr den Bau der Strecke sind detailliert mit folgendem: Ma\u00dfgebliche Aufwendungen f\u00fcr Grunderwerb, Geb\u00e4ude, s\u00e4mtliche landschaftliche Einschnitte, 8 Lauterbr\u00fccken davon 1 Viadukt mit einer L\u00e4nge von 120 Meter und bis zu einer H\u00f6he von 15 Meter bei Gundelfingen, 4 Fluss Verlegungen der Lauter, mehrere Bahnd\u00e4mme zusammen mit dem Hochwasserschutz und erschwerter Ausbau der Strecke mit dem anstehenden harten Jurakalk. Dieser wird aber wieder zu Bettungsmaterial verwendet. Die engen und beschr\u00e4nkten Verh\u00e4ltnisse beim Bahnhof Untermarchtal werden voraussichtlich mit einer rund 600 Meter langen St\u00fcttzmauer-Planung gegen die Donau erforderlich machen. Zugkreuzungen w\u00e4ren dann m\u00f6glich. Dieses S\u00fctzmauer-Projekt war 1913 planerisch fertig, wurde aber wegen dem Kriegsbeginn 1914 nicht mehr verwirklicht.<br>Das Einzugsgebiet der 34 Km langen Strecke umfa\u00dft im Oberamt M\u00fcnsingen 13 Gemarkungen und im Ober Amt Ehingen 4 Ortschaftsmarkungen. Die Einwohnerzahl aller im Verkehrsgebiet der geplanten Lautertalstrecke ist mit 11 500 Personen ermittelt. Die Streckenbaukosten sind mit 80 000 Mark pro Km veranschlagt. Kosten f\u00fcr Vorarbeiten mit 9 000 Mark. Dies ergibt planerische Kosten der Strecke Marbach- Munderkingen in Summe rund 2, 5 Millionen Mark. Von der eventuellen Erteilung des Bauauftrags bis zur Fertigstellung des Projekts w\u00fcrde ein Zeitraum von 1,5 bis 2 Jahre erforderlich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die St\u00e4ndekammer des Finanzministeriums in Stuttgart entschieden hat ist nicht bekannt da viele Bauantr\u00e4ge von Lokalbahnen mit Petitionen, Untert\u00e4nigsten Bitten und Eingaben von Kommunen f\u00fcr Bahnbauten \u00fcberschwemmt wurden. Das Hin- und Her von Petitionen mit Plan\u00e4nderungen zog sich bis zum Kriegsbeginn-Jahr 1914 hin. Die Regierung, das Finanzministerium und St\u00e4ndekammern mussten die Eisenbahngesetze einhalten.. Zum Beispiel wurde die Bahn in Vollspur von Schelkingen nach M\u00fcnsingen im Jahr 1901 bei einer Streckenl\u00e4nge von 24 Km, Kosten rund 2,67 Millionen Mark er\u00f6ffnet. Laupheim \u2013 Schwendi 1904 (eingestellt 1986), Biberach \u2013 Ochsenhausen 1899 (Eingestellt 1964) und Riedlingen \u2013 Schussenried 1915 (eingestellt 1960).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Beendeter Bauwunsch<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Buch von Hans-Wolfgang Scharf aus dem Jahr 1996 sind die Eisenbahnen rund um das Donautal, Alb und Oberschwaben mit allen Baudetails samt Betriebsanlagen und Schienenfahrzeuge beschrieben.<br>Die Schlussfolgerung zu dem damaligen Boom von Eisenbahnbauplanungen um die Jahrhundertwende 1900 bis zum Beginn des \u201eGro\u00dfen Krieges\u201c dem I. Weltkrieg, ist stark ern\u00fcchternd. Zu Beginn dieses Krieges wurden s\u00e4mtliche Bahnbauplanungen vom K\u00f6nigreich und die damit verbundene Finanzierung derselben, eingestellt. Jener Krieg der die damalige Welt besonders in Europa stark ver\u00e4nderte, dessen Nachwirkungen reichen noch bis in die heutige Zeit herein. Der Geschichtsgang in all seinen Situationen -auch den beschriebenen, geplanten Eisenbahnbauten \u2013 pr\u00e4gte die Vergangenheit und jetzt mit vielen Dingen und Aufgaben in der Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"834\" src=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4375\" srcset=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_01.jpg 1200w, https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_01-768x534.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"910\" src=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4376\" srcset=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_02.jpg 1200w, https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_02-768x582.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"901\" src=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_03.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4377\" srcset=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_03.jpg 1200w, https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_03-768x577.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1374\" height=\"791\" src=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_04.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4378\" srcset=\"https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_04.jpg 1374w, https:\/\/www.gemeinde-untermarchtal.de\/bilder\/eisenbahn_04-768x442.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1374px) 100vw, 1374px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>PS: Angef\u00fcgte Fotos der erw\u00e4hnten Denkschrift, Streckenf\u00fchrung der \u201eLauterthalbahn\u201c, \u00dcbersichtl\u00e4ngenprofilplan, Projektplan im Auftrag von Regierungsbaumeister Wallersteiner, Stuttgart<br>Nr. 184, 188, 189, 192<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strecke von Munderkingen bis Marbach in Schmalspur Munderkingen\/Untermarchtal (hi) Ab der Mitte bis Ende des 19. 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