Vor 100 Jahren – Verleihung des „Ehrenbürgerrecht“ an seinerzeitigen Schultheiß von Untermarchtal, Albert Großmann
- 27. August 2026
Untermarchtal. (hi) Vor genau 100 Jahren, am 9. September 1926, wurde nach einstimmigen Beschluss des Gemeinderats „In dankbarer Anerkennung des großen Verdiensts welche Herr Schultheiß Albert Großmann durch 25-jährige treue Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde sich erworben hat, haben wir einstimmig beschlossen, demselben das „E H R E N B Ü R G E R R E C H T“ zu verleihen und hierrüber gegenwärtige Urkunde ausfertigen zu lassen“. Geschehen, den 9. September 1926 – Gemeinderat Stellv. Vorsitzender: Ziegler. So der Urkundentext in Farbe mit bildlicher Darstellung des Dorfes Untermarchtal mit dem Rathaus aus dem Jahre 1898 und die Donauansichten von den Jahren 1840 und 1926. Diese Urkunden-Kopie kann im Kalkofen Museum eingesehen werden. Die Originalurkunde ist handgezeichnet und ist im Besitz von Dieter Großmann, ein Enkel von Albert Großmann.
Seine Familie
Im nachstehenden Text soll das Lebenswerk vom seinerzeitigen „Schultheiß“ (Bürgermeister) Albert Großmann für die Gemeinde Untermarchtal nochmals aufgezeigt und gewürdigt werden. Albert Gropßmann entstammt einer alten Untermarchtaler Familie, geb. 19. Januar 1873. Sein Urgroßvater und Großvater waren Schneider gewesen, während sein Vater Rupert als Metzger und Gemeindepfleger ein Auskommen fand. Albert erlernte das Zimmermannshandwerk und baute sich einen kleinen Betrieb am dorfnahen Platz „Dornen“ oder auch Donna genannt auf, dies beim heutigen Sportplatz und Wegkreuz Richtung Gütelhofen. Unter seinem Schultheißen-Vorgänger Josef Vogelsang war Albert Großmann Gemeindepfleger bis er 1901 im Alter von 28 Jahren zum Schultheißen (Bürgermeister) von Untermarchtal gewählt wurde und dieses Amt in seiner Heimatgemeinde bis zu seinem Tod am 16. September 1930 ausführte. Sein Dienstort in der Gemeinde war das im Jahr 1898 neu erbaute Schul- und Rathaus.
Seine Verdienste
Gleich kamen in der Gemeinde große Aufgaben mit der Planung und Bau vom „Projekt Maria Hilf“ (1903) sowie der Bau der ersten allgemeinen Wasserversorgung (1904). Und Abwasser-Kanalisation (1908) auf die Gemeinde-Vetrwaltung und Schultheiß Großmann zu. Privat zu berichten gibt es dann die Heirat 1906 mit Franziska Scherm aus Eschenbach /Oberpfalz und die Geburten von den drei Kinder Ida-Albertine. Diese führte die Bücher des Kalkwerks und war Sekretärin auf dem Schultheißenamt. Tochter Paula, geboren 1912. Sie war spätere Pfarrhaushälterin bei Pfarrer Karl Groß aus Untermarchtal in Hausen an den Bussen. Sohn Albert geboren 1914. Im Jahre 1903 erbaute er sein Wohnhaus „Villa Großmann“, heute Kloster-Verwaltungsgebäude St. Albertus der Große und St.Katharina Laboure.nach dem gleichen Bauplan von seinem Freund, dem Adlerwirt Nikolaus Brehm, Villa „Brehm“ (Bachsteinhaus an der Donaubrücke). Des Weiteren stand im Jahre 1910 in der ganzen Gemeinde die Einführung und Bau eines Stromversorgungsnetzes zusammen mit Karl Mohn (von der Mohnmühle Algershofen-Munderkingen) an. Später in den Jahren 1928/29 kam schließlich die elektrische Ortsbeleuchtung hinzu. Der I. Weltkrieg von 1914 bis 1918 forderte sein Tribut wie im ganzen Land Menschenleben als Kriegsgefallene und Materialleistungen. Nach dem I. Weltkrieg stand eine Erweiterung des Dorffriedhof Untermarchtal an. Auch stand Schultheiß Großmann zusammen mit Pfarrer und Dekan Felix Stiegele als Präsi des DJK-Sportvereines für die Erstellung und Platz-Überlassung im Jahr 1928 für einen neuen Sportplatz (Pfarrchronik-Vermerk als „Zimmer- und Sportplatz“) im Gewann „Dornen“ in Verantwortung: Seine Aufgeschlossenheit zu wirtschaftlichen und technischeren Neuerungen zeichnete Albert Großmann mit dem Bau des Kalkwerk Untermarchtal im Jahre 1922 aus. Dieses Bauwerk und sein soziales Engagement machte ihn bei seinen Mitbürgern beliebt und trug wesentlich dazu bei, dass der Gemeinderat Albert Großmann im Jahre 1926 zu ihrem Ehrenbürger ernannte.
Kalkwerkbau mit zwei Gesellschafter
Mit Leopold Ege, Maurermeister aus Munderkingen und Josef Bailer, Holzhändler aus Dieterskirch und einigen Privatpersonen der Gemeinde erwarben diese im Gewann Bannbühl an der Hauptstraße nach Ehingen ein Gelände zum Bau eines Kalkwerks. Die dort ausgewählte Lage für den Bau eines Kalkofens mit dazugehöriger Produktionshalle war zugleich ein verkehrsgünstiger Standort. Das Gelände umfasste in unmittelbarer Nachbarschaft des Werks sowohl einen Steinbruch mit Massenkalken der Weißjuraschicht Zeta 1 für die Weißkalkherstellung als auch einige hundert Meter weiter einen Steinbruch mit Zementmergeln der Weißjuraschicht Zeta 2 und damit beste Voraussetzungen zur Herstellung von Schwarzkalk. Diese Werksgründung der drei Gesellschafter mit dem Umstand, dass der Gesellschafter Albert Großmann als Bürgermeister (Schultheiß) einer Gemeinde fungierte, war eine günstige Voraussetzung. Erheblich beschleunigt konnte so der Grundstückserwerb getätigt werden. Die Errichtung eines kleinen Werkes verlangte relativ geringe Investitionen. Gerade dies führte aber in jenen Nachkriegsjahren scheinbar zu einer „Spekulationswelle für Kleinunternehmer“ zumal in Untermarchtal die Voraussetzungen durch Verbindung von Bürgermeisteramt, Zimmereibetrieb, Bauunternehmung und Holzhandelsfirma leicht zu erschließenden Rohstoffvorkommen besonders günstig waren. Die Annahme versprach also raschen Gewinn. Es kam aber die Inflation von 1922 und 1923 mit der Abwertung von Gütern und Immobilien dazu. Überlegungen der beiden Gesellschafter Ege und Bailer zum Ausstieg wegen erhoffter Gewinne spielten dann mit. Bei Albert Großmann, dem Untermarchtaler Schultheißen war aber darüber hinaus offensichtlich spielten auch grundsätzliche wirtschaftliche und sozialpolitische Erwägungen eine Rolle. Dafürsprechen nicht nur seine Aktivitäten zur Modernisierung des Ortes, sondern vor allem die Tatsache, dass er später das unrentable Kalkwerk in alleiniger Verantwortung weiterbetrieb, um so in Zeiten großer wirtschaftlicher Not wenigstens die wenigen Arbeitsplätze dort zu erhalten. Als Gesellschafter Ege im Jahr 1925 ausschied, erhielt dieser eine Entschädigung von 900 Goldmark als Abfindung. Dies belastete das Unternehmen sehr. Doch um 1927 konnte immerhin ein Lastwagen angeschafft werden. Das positive Bild des Kalkwerks wandelte sich im Jahr 1929 mit der Weltwirtschaftskrise. Diese Umstände führten dann zum Zweck der Auflösung der. Gemeinschaft, Großmann – Bailer auf Anordnung des Amtsgericht Ehingen zur Zwangsversteigerung. Hier ersteigerte im Mai 1930 der Mitgesellschafter Albert Großmann das Werk für 6500 Marl als alleiniger Besitzer. Seine zu diesem Zeitpunkt schon angegriffene Gesundheit führte dann zum Tod am 16. September 1930. Dann wurde seine Witwe Franziska Großmann alleine Besitzerin. In der Folgezeit war sie aber außerstande, das Kalkwerk weiterzubetreiben. Es kam im Januar 1931 zur erneuten Versteigerung. Einziger Bieter war der Untermarchtaler Landwirt Matthäus Fischer. Sein Gebot für 2800 Mark erhielt den Zuspruch. Fischer war auch Gemeinderat seit 1928 und fungierte 1943 als Ortsbauernführer. Die Produktpalette unter dem Inhaber Fischer änderte sich nicht, jedoch wurde der Ofen nicht mehr kontinuierlich in Betrieb gehalten. Diese Tatsache führte dann dazu, dass die Qualität des gebrannten Kalks zurückging. Dies blieb natürlich nicht ohne Auswirkungen auf den Ertrag des Kalkwerks. Trotz Werbung für sein Kalkwerk in der lokalen Presse, vermochte er damit aber nicht an die Erfolge des Werks in den 20er Jahre anzuknüpfen. Die Verpachtung an den Baustoffhändler Karl Halder aus Dürmentingen vermochte aber den Niedergang trotz der Beschäftigung von nur 2 Mitarbeiter nicht aufzuhalten. Schließlich wurde das Werk 1939 gänzlich stillgelegt. Somit endete ein am Beginn zunächst erfolgreiche Ära des „Kalkwerk Untermarchtal“, die von Schultheiß Albert Großmann begonnen und betrieben wurde. Er erlebte diesen Niedergang nicht mehr.
Seine Verdienste für die Gemeinde Untermarchtal werden stets unvergessen bleiben. Die Ruhestätte auf dem Friedhof Untermarchtal von Schultheiß Albert Großmann ist bei der großen Winterlinde und sein Grabstein mit seinem Namen weist auf seine letzte Ruhestätte hin.
Die Erinnerung an Ehrenbürger Albert Großmann lebt auch dahingehend mit der Einrichtung „seines Kalkwerkes“ als „Kalkofen Museum“ weiter. Seit 1990 als Besitzer ist das Land Baden-Württemberg und dem eifrigen und dankenswertem Betreiber dem Kalkofen Museum, der Ortsgruppe des schwäbischen Heimatbund Untermarchtal, weiter.